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Was zahlt das Jobcenter bei den Nebenkosten? Nachzahlung und Guthaben einfach erklärt

Die jährliche Nebenkostenabrechnung vom Vermieter kann schnell für Verwirrung sorgen. Was davon zahlt das Jobcenter im Bürgergeld-Bezug? Was musst du selbst übernehmen? Und was passiert, wenn du nachzahlen musst – oder Geld zurückbekommst? Hier erfährst du, wie die Nebenkosten beim Bürgergeld (demnächst Grundsicherung) funktionieren und worauf du achten musst.

Das Wichtigste in Kürze
  • Das Jobcenter übernimmt die kalten Nebenkosten (Wasser, Müll, Hausmeister etc.) – nicht aber Strom, Internet oder Telefon.
  • Eine Nachzahlung muss das Jobcenter übernehmen, solange du hilfebedürftig bist und die Bruttokaltmiete als angemessen gilt.
  • Ein Guthaben wird nicht als Einkommen gewertet, sondern mit den Wohnkosten (KdU) verrechnet – und erst im Monat nach der Auszahlung.
  • Die Betriebskostenabrechnung immer beim Jobcenter einreichen, egal ob Nachzahlung oder Guthaben.
  • Hohe Nachzahlungen (z.B. durch Wasserschaden) unbedingt schriftlich begründen beim Einreichen.

Welche Nebenkosten übernimmt das Jobcenter?

Das Jobcenter übernimmt die sogenannten kalten Nebenkosten für deine Wohnung. Sie sind Teil der Wohnkosten, die neben der Kaltmiete gezahlt werden. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Kosten für Wasser und Abwasser
  • Grundsteuer
  • Kosten für die Müllabfuhr und die Straßenreinigung
  • Kosten für den Hausmeister und die Gartenpflege
  • Gebäudeversicherungen (z.B. Haftpflichtversicherung)
  • Kosten für den Aufzug und die Treppenhausreinigung

Für eine detaillierte Übersicht aller umlagefähigen Nebenkosten nach der Betriebskostenverordnung kannst du diesen ausführlichen Artikel auf Mietrecht.de lesen.

Wichtige Abgrenzung:

  • Haushaltsstrom: Die Kosten für deinen Haushaltsstrom werden nicht vom Jobcenter übernommen. Erfahre hier, was du über Stromkosten beim Bürgergeld wissen musst.
  • Heizkosten: Die Heizkosten werden vom Jobcenter getrennt von den kalten Nebenkosten betrachtet. Sie werden ebenfalls übernommen, aber separat geprüft. Mehr dazu findest du auf unserer Seite zu den Heizkosten beim Bürgergeld.

Jobcenter darf Strom-Guthaben nicht mit Heizkosten verrechnen

Übernimmt das Jobcenter eine Nebenkostennachzahlung?

Wenn deine Nebenkostenabrechnung eine Nachzahlung ausweist, bist du in der Regel nicht allein dafür verantwortlich. Das Jobcenter muss die Nachzahlung übernehmen, wenn du zum Zeitpunkt des Erhalts der Nebenkostenabrechnung hilfebedürftig bist und deine Bruttokaltmiete (Miete plus kalte Nebenkosten) als angemessen gilt. Dabei prüft das Amt auch, ob dein Verbrauch sparsam und nicht verschwenderisch war.

Bis wann muss ich die Nachzahlung beim Jobcenter beantragen?

Du kannst die Kostenübernahme der Nachzahlung beim Jobcenter formlos beantragen, indem du die Abrechnung einreichst. Es gibt keine gesetzliche Frist, bis wann dein Antrag spätestens beim Jobcenter eingehen muss. Es ist jedoch ratsam, die Abrechnung schnellstmöglich einzureichen, um Probleme mit dem Vermieter zu vermeiden. Auch der Vermieter kann die Abrechnung direkt beim Jobcenter einreichen.

Achtung: Der Vermieter hat selbst nur 12 Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums Zeit, dir die Abrechnung zuzustellen. Verpasst er diese Frist, verfällt sein Anspruch auf eine Nachzahlung.

Was passiert, wenn die Kosten zu hoch sind?

Während der Karenzzeit übernimmt das Jobcenter die tatsächlichen Kosten. Danach gilt: Sollten deine Bruttokaltmiete und die Nebenkosten insgesamt nicht angemessen sein, kann das Jobcenter die Übernahme der Nachzahlung ablehnen. Wirst du erstmalig aufgefordert, deine Wohnkosten zu senken, muss das Jobcenter die Nachzahlung übernehmen.

Wohnung zu teuer – Jobcenter muss aber nichts ins Detail gehen

Tipp: Es ist ratsam, ungewöhnlich hohe Nebenkosten (z.B. durch einen extrem kalten Winter oder Wasserschaden) bereits bei der Einreichung der Nebenabrechnung zu begründen und mit eventuellen Nachweisen zu belegen.

Was gilt bei Umzug, fehlendem Bürgergeld oder als Darlehen?

  • Kein Bürgergeld mehr: Wenn du die Abrechnung zu einem Zeitpunkt erhältst, an dem du kein Bürgergeld mehr beziehst, ist das Jobcenter nicht mehr für die Kostenübernahme zuständig – auch wenn sich die Abrechnung auf einen Zeitraum bezieht, in dem du noch Leistungen bezogen hast.
  • Neues Bürgergeld: Warst du zu Beginn des Abrechnungszeitraums noch nicht hilfebedürftig, beziehst aber zum Zeitpunkt des Erhalts der Nebenkostenabrechnung Bürgergeld, so ist das Jobcenter zur Übernahme der Nachzahlung verpflichtet.
  • Umzug: Die Nachzahlung für eine alte Wohnung wird nur übernommen, wenn der Umzug auf Veranlassung des Jobcenters erfolgte (z.B. wegen einer Kostensenkungsaufforderung) und du ununterbrochen Leistungen bezogen hast.
  • Darlehen: In extremen Notfällen, um eine Obdachlosigkeit zu vermeiden, kann eine nicht übernommene Nachzahlung als zinsfreies Darlehen gewährt werden.

Wie wird eine Nebenkostenerstattung beim Bürgergeld behandelt?

Wenn deine Nebenkostenabrechnung ein Guthaben ausweist, wird die Gutschrift in der Regel vom Jobcenter mit den kommenden Leistungen verrechnet. Das Guthaben gilt rechtlich aber als zweckgebundene Leistung für Wohnkosten – und darf deshalb nicht auf deinen Regelsatz oder Mehrbedarfe angerechnet werden. Die Nebenkostenerstattung mindert daher ausschließlich die Kosten für Unterkunft und Heizung (KdU).

Wann und wie wird das Guthaben angerechnet?

Das Guthaben wird nicht sofort nach Erhalt der Abrechnung, sondern erst im Monat nach der Auszahlung auf deine Wohnkosten angerechnet. Ist das Guthaben höher als die monatlichen Leistungen für Unterkunft und Heizung, wird es so lange verrechnet, bis es aufgebraucht ist.

Nebenkosten-Guthaben: Wann das Jobcenter nicht anrechnen darf

Wann darf ich ein Nebenkostenguthaben behalten?

Es gibt Ausnahmen, in denen das Nebenkostenguthaben nicht oder nicht vollständig auf das Bürgergeld angerechnet wird:

  • Bei selbst gezahlten Anteilen: Wenn du einen Teil deiner Wohnkosten selbst aus dem Regelsatz bezahlt hast, darf das Guthaben in dieser Höhe nicht angerechnet werden. Dies ist der Fall, wenn deine Miete über dem angemessenen Bedarf lag und du die Differenz selbst getragen hast. Mehr dazu auf unserer Seite zur Wohnkostenlücke mit Bürgergeld.
  • Bei nicht leistungsberechtigten Personen: Hat eine Person, die mit dir zusammenwohnt, aber keinen Anspruch auf Bürgergeld hat, einen Teil der Miete und Nebenkosten übernommen, wird das Guthaben nur anteilig angerechnet.

Was gilt bei Guthaben aus der Zeit vor dem Bürgergeld-Bezug?

Selbst wenn das Guthaben aus einer Zeit stammt, in der du noch kein Bürgergeld hattest, wird es angerechnet. Entscheidend ist der Zeitpunkt, zu dem das Geld auf deinem Konto eingeht, das sogenannte Zuflussprinzip. Die Anrechnung erfolgt im Folgemonat auf deine KdU.

Häufige Fragen & Antworten zu Nebenkosten

Muss ich die Betriebskostenabrechnung beim Jobcenter vorlegen?

Ja, grundsätzlich und zwar unabhängig davon, ob die Nebenkostenabrechnung eine Nachzahlung oder ein Guthaben aufweist.

Welche Nebenkosten übernimmt das Jobcenter nicht?

Kosten für Strom, Internet & Telefon oder private Versicherung zahlt das Jobcenter nicht, da es sich nicht um Betriebskosten im Sinne des Mietrechts handelt. Diese Ausgaben sind im Bürgergeld-Regelsatz eingerechnet.

Wird ein Nebenkostenguthaben als Einkommen angerechnet?

Nein. Ein Guthaben aus der Betriebs-/Heizkostenabrechnung wird nicht als Einkommen gezählt, sondern nur mit den Wohnkosten verrechnet. (Bestätigt u. a. durch BSG B 4 AS 7/20 R.)

Übernimmt das Jobcenter die Nachzahlung auch, wenn meine Miete zu hoch ist?

Grundsätzlich ja – allerdings nur, wenn deine Bruttokaltmiete die Angemessenheitsgrenze nicht überschreitet und du erstmalig aufgefordert wirst, deine Wohnkosten zu senken (sog. Kostensenkungsaufforderung). Danach kann das Jobcenter die Übernahme verweigern.

Was passiert mit der Nachzahlung für meine alte Wohnung nach einem Umzug?

Eine Nachzahlung für eine frühere Wohnung wird nur dann vom Jobcenter übernommen, wenn der Umzug vom Amt veranlasst wurde (z. B. wegen einer Kostensenkungsaufforderung) und du ununterbrochen Leistungen bezogen hast.

Kann ich ein zinsfreies Darlehen vom Jobcenter bekommen?

Ja. Wenn eine Nachzahlung nicht übernommen wird, kann das Jobcenter die Summe in extremen Notfällen als zinsfreies Darlehen gewähren, um eine drohende Obdachlosigkeit zu vermeiden.

Wird auch ein Guthaben angerechnet, das sich auf eine Zeit vor dem Leistungsbezug bezieht?

Ja, auch wenn das Guthaben aus einem Zeitraum stammt, in dem du noch kein Bürgergeld bezogen hast, wird es im Folgemonat des Erhalts auf deine Wohnkosten angerechnet.

Muss ich meine hohen Nebenkosten begründen?

Ja, um Rückfragen zu vermeiden, solltest du ungewöhnlich hohe Kosten / Nachzahlungen bereits beim Einreichen der Betriebskostenabrechnung schriftlich begründen (z. B. bei hohem Wasserverbrauch durch einen Wasserschaden).