Der Mindestlohn ist seit dem 1. Januar 2026 auf 13,90 Euro gestiegen. Das klingt nach Fortschritt. Die Rentenrechnung zeigt aber, wie schwach der Aufbau eigener Ansprüche trotz Vollzeitarbeit weiter bleibt. Wer jahrzehntelang zum Mindestlohn arbeitet, kommt in der gesetzlichen Rente noch immer nur auf erschreckend niedrige Werte.
Der gesetzliche Mindestlohn liegt aktuell bei 13,90 Euro pro Stunde. Für die Rentenberechnung ist aber nicht die politische Schlagzeile entscheidend, sondern das Verhältnis dieses Lohns zum Durchschnittsentgelt aller Versicherten. Dieses vorläufige Durchschnittsentgelt beträgt 2026 nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung 51.944 Euro im Jahr. Nach den nun vorliegenden Daten steigt der aktuelle Rentenwert zum 1. Juli 2026 von 40,79 Euro auf 42,52 Euro. Formal umgesetzt wird dies mit der Rentenwertbestimmungsverordnung. Genau aus diesen Werten ergibt sich die ernüchternde Rechnung.
Rentenerhöhung 2026: Wichtige Tabellen, Beträge & Prognosen
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Aus 13,90 Euro entstehen nur 0,5566 Entgeltpunkte pro Jahr
Wer 40 Stunden pro Woche zum Mindestlohn arbeitet, kommt rechnerisch auf 28.912 Euro brutto im Jahr. Teilt man diesen Jahresverdienst durch das vorläufige Durchschnittsentgelt von 51.944 Euro, ergeben sich 0,5566 Entgeltpunkte pro Jahr. Das ist der Kern des Problems. Denn genau hier entscheidet sich, was aus jahrzehntelanger Arbeit später einmal als Rente herauskommt.
Nach 30 Jahren bleiben nur rund 710 Euro brutto gesetzlicher Rentenanspruch
Rechnet man diese 0,5566 Entgeltpunkte über 30 Jahre hoch und legt den angekündigten Rentenwert von 42,52 Euro zugrunde, ergibt sich ein monatlicher gesetzlicher Rentenanspruch von nur rund 710 Euro brutto. Das ist der reine gesetzliche Rentenanspruch aus eigener Beitragsleistung – ohne Betriebsrente, ohne private Vorsorge und ohne einen möglichen Grundrentenzuschlag. Schon das zeigt, wie wenig aus einem langen Arbeitsleben im Niedriglohnbereich rentenrechtlich entsteht.
Hinzu kommt: Diese rund 710 Euro wären noch nicht der Betrag, der später tatsächlich auf dem Konto landet. Von gesetzlichen Renten gehen noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab. Allein deshalb ist die reale Auszahlung nochmals niedriger als der ohnehin schon magere Bruttobetrag.
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Die jüngsten verfügbaren Daten zeigen, dass niedrige Altersrenten längst Realität sind
Wie nah diese Rechnung an der Wirklichkeit liegt, zeigen die jüngsten verfügbaren Daten der Rentenbestandsstatistik 2025 zum Stand 1. Juli 2025. Danach beziehen in Deutschland 14.806.358 Menschen eine Altersrente. Davon liegen 4.080.143 mit ihrem monatlichen Rentenzahlbetrag unter 750 Euro. Das sind 27,6 Prozent. Unter 1.000 Euro liegen 5.700.350 Altersrentner oder 38,5 Prozent. Und 7.263.146 kommen auf weniger als 1.200 Euro im Monat. Das entspricht 49,1 Prozent. Fast jeder Zweite liegt also unter dieser Marke. Die Rentenbestandsstatistik erfasst die Ergebnisse der Auswertung des Rentenbestandes jeweils zum 1. Juli eines Jahres.
Diese Bestandszahlen beweisen nicht eins zu eins den hier gerechneten Mindestlohn-Fall. Aber sie zeigen sehr deutlich, dass niedrige Alterseinkommen in Deutschland kein theoretisches Randproblem sind, sondern längst Millionen Menschen betreffen.
Frauen sind besonders häufig betroffen
Besonders drastisch ist die Lage bei Frauen. Nach der Rentenbestandsstatistik 2025 beziehen 3.569.141 Frauen eine Altersrente von unter 1.000 Euro im Monat. Das sind 50,3 Prozent. Unter 1.200 Euro liegen sogar 4.554.682 Frauen oder 64,2 Prozent. Damit wird sichtbar, wie stark niedrige Löhne, Teilzeit und unterbrochene Erwerbsbiografien bis heute in die Rentenhöhe hineinwirken.
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Für 1.200 Euro brutto wären mehr als 50 Jahre nötig
Noch bitterer wird die Rechnung beim Blick auf eine etwas höhere Monatsrente. Wer allein aus Mindestlohnarbeit auf 1.200 Euro brutto gesetzlichen Rentenanspruch kommen will, müsste dafür rechnerisch mehr als 50 Jahre arbeiten – genauer gesagt gut 50,7 Jahre. Das ist keine solide Alterssicherung. Das ist ein Warnsignal dafür, wie schwach die Rentenformel im Niedriglohnbereich weiter wirkt.
Auch bei 45 Jahren bleibt das Grundproblem sichtbar
Selbst nach 45 Jahren Vollzeitarbeit zum Mindestlohn ergäbe die reine gesetzliche Rechnung nur rund 1.065 Euro brutto im Monat. An dieser Stelle kommt zwar häufig die Grundrente ins Spiel. Sie ist aber keine pauschale Mindestrente, sondern ein individueller Zuschlag zur Rente. Ob und in welcher Höhe er greift, hängt von den angerechneten Zeiten, vom versicherten Durchschnittsverdienst und von der Einkommensanrechnung ab. Die 45-Jahre-Zahl zeigt deshalb weiterhin das strukturelle Problem – sie taugt nur nicht als nackte Schlagzeile ohne diese Einordnung.
Das eigentliche Problem liegt im System
Der höhere Mindestlohn ist richtig. Er löst aber das Rentenproblem nicht. Denn selbst 13,90 Euro pro Stunde reichen in der gesetzlichen Rentenformel weiterhin nur für einen langsamen Aufbau eigener Ansprüche. Wer jahrzehntelang arbeitet, Beiträge zahlt und trotzdem auf eine Rente zusteuert, die schon brutto erschreckend niedrig ist, darf sich zu Recht fragen, was das Versprechen „Arbeit muss sich lohnen“ im Alter noch wert ist.
