Die Zahl der Widersprüche und Klagen gegen die Bürgergeld-Bescheide der Jobcenter ist weiterhin erschreckend hoch. Dies dokumentierten die Auswertungen der Bundesagentur für Arbeit. Nach einem geringen Rückgang im Jahr 2024 sind Widersprüche und Klagen im Zusammenhang mit dem Bürgergeld 2025 wieder gestiegen.
Zu viele Klagen und Widersprüche
Im Jahr 2025 gingen laut Bundesagentur für Arbeit 501.667 neue Widersprüche und 53.164 neue Klagen gegen Entscheidungen der Jobcenter ein. Das bedeutet einen Anstieg um rund 78.300 Widersprüche (+ 18,5 %) und knapp 4.400 Klagen (+ 9,0 %) gegenüber dem Vorjahr (2024: 423.357 Widersprüche, 48.785 Klagen). Der Trend zeigt: Die Zahlen steigen wieder spürbar.
Häufige Gründe
Der häufigste Einzelgrund für Bürgergeld-Widersprüche war auch 2025 der Bereich Aufhebung und Erstattung (17,5 %) – 2024 lag dieser Wert noch bei 18 %, der Anteil ist also leicht gesunken. Danach folgen die Kosten der Unterkunft (13,8 %) sowie die Anrechnung von Einkommen und Vermögen (13,4 %). Sanktionen spielten weiterhin eine untergeordnete Rolle: Nur 1,9 % aller offenen Widersprüche entfielen auf Leistungsminderungen.
Jeder dritte Widerspruch erfolgreich
2025 haben die Jobcenter 476.728 Widersprüche bearbeitet und entschieden. In 147.213 Fällen (119.840-mal stattgegeben, 27.373-mal teilweise stattgegeben) wurde die Entscheidung nachträglich zugunsten der Antragsteller geändert – die Erfolgsquote der Widerspruchsverfahren liegt damit bei rund 30,9 %.
Bürgergeld-Bescheid falsch? Warum fast jeder dritte Widerspruch Erfolg hat
Mehr als 50.000 Klagen vor Gericht
Im vergangenen Jahr verhandelten Gerichte 52.858 Bürgergeld-Klagen, wovon rund 68,5 % entweder abgewiesen oder von den Klägern zurückgezogen wurden. In 31,5 % der Fälle führte die Klage zu einer neuen Entscheidung und somit zum Erfolg des Klägers.
Klagen und Widersprüche nehmen zu
Nach unseren Auswertungen ist die Anzahl (Zugang) der Widersprüche und Klagen in 2026 (Erhebung bis 30.06.2026) gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen, wobei die Zahl der Bedarfsgemeinschaften kleiner geworden ist:
| bis Juni 2025 | bis Juni 2026 | Differenz | |
|---|---|---|---|
| Widersprüche | 229.070 | 304.284 | 75.214 (+ 32,8 %) |
| Klagen | 25.235 | 30.317 | 5.082 (+ 20,1 %) |
| Bedarfsgemeinschaften | 2.895.817 | 2.815.128 | − 80.689 (− 2,8 %) |
Mit der Ablösung des Bürgergelds durch das Grundsicherungsgeld zum 1. Juli 2026 haben sich zahlreiche Regeln innerhalb des SGB II geändert – und mit ihnen kommen erfahrungsgemäß auch neue Streitpunkte hinzu. Ob die Zahl der Klagen dadurch in der zweiten Jahreshälfte weiter steigt, bleibt abzuwarten.
