Die Zahl der Menschen mit Grundsicherungsleistungen ist im Oktober deutlich niedriger als vor einem Jahr. Doch bei den Jobcentern sind weiterhin rund 937.000 Menschen seit mehr als zwölf Monaten arbeitslos. Die Chancen auf einen neuen Job bleiben nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit historisch niedrig.
Knapp fünf Millionen Menschen erhalten Grundsicherungsleistungen
Nach der am 30. Oktober 2026 veröffentlichten Hochrechnung haben im Oktober 2026 rund 4,947 Millionen Menschen Anspruch auf Regelleistungen nach dem SGB II. Gegenüber Oktober 2025 sind das rund 272.000 weniger, ein Rückgang um 5,2 Prozent. Im September lag die Zahl noch bei knapp fünf Millionen. Die Angaben stammen aus dem aktuellen Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit.
Die Gesamtzahl umfasst zwei Gruppen: 3,659 Millionen Menschen gelten als erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Hinzu kommen rund 1,288 Millionen nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte, überwiegend Kinder unter 15 Jahren. Sie leben mit einem erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in einer Bedarfsgemeinschaft. Der Rückgang betrifft beide Gruppen. Die 272.000 weniger sind dabei der Unterschied zwischen zwei Bestandszahlen. Im Laufe des Jahres kamen Menschen in den Leistungsbezug hinzu, andere schieden aus. Wie viele davon eine Arbeit aufnahmen, lässt sich aus diesem Unterschied nicht ablesen.
Bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten zählt die BA rund 172.000 Personen weniger als vor einem Jahr. Auch gegenüber September ging ihre Zahl zurück, um rund 38.000. Selbst nach Herausrechnung der üblichen saisonalen Schwankungen bleibt ein Minus von 25.000. Die Abnahme erklärt sich damit nicht allein durch die Jahreszeit.
Mehr als jeder zweite Arbeitslose im Jobcenter ist langzeitarbeitslos
Auf dem Arbeitsmarkt fällt die Entlastung wesentlich schwächer aus. Die Jobcenter betreuen im Oktober rund 1,791 Millionen registrierte Arbeitslose. Das sind zwar 36.000 weniger als im Vorjahresmonat. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen liegt mit rund 937.000 aber ungefähr auf dem Vorjahresniveau. Ihr Anteil beträgt 52,3 Prozent: Gut jeder zweite Arbeitslose im Bereich der Jobcenter zählt somit als langzeitarbeitslos.
Bundesweit ist die Arbeitslosigkeit gegenüber Oktober 2025 sogar um rund 44.000 auf 2,955 Millionen gestiegen. Dieser Anstieg entsteht im Bereich der Arbeitsagenturen, die unter anderem Menschen mit Anspruch auf Arbeitslosengeld betreuen. Dort sind rund 80.000 Menschen mehr arbeitslos gemeldet, während die Jobcenter den genannten Rückgang von 36.000 verzeichnen. Die Entwicklung der beiden Systeme läuft also auseinander.
Die BA beschreibt die Chancen, Arbeitslosigkeit durch eine Beschäftigung zu beenden, weiterhin als historisch niedrig. Unternehmen fragen zu wenige Arbeitskräfte nach. Außerdem passen nach ihrer Analyse Beruf, Qualifikation oder Wohnregion der Arbeitslosen vielfach nicht zu den angebotenen Stellen. Ein sinkender Bestand beim Grundsicherungsgeld beseitigt diese Vermittlungshürden nicht.
Leistungsbezug und Arbeitslosigkeit sind verschiedene Größen
Wer Grundsicherungsgeld bekommt, ist nicht zwangsläufig arbeitslos. Das galt ebenso für das Bürgergeld, das bis Ende Juni 2026 gezahlt wurde. Zu den Leistungsberechtigten gehören auch Menschen, die arbeiten und ergänzende Leistungen benötigen, Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder noch zur Schule gehen.
Angehörige pflegen: Jobcenter darf nicht jede Arbeit verlangen
Wie groß dieser Unterschied ist, zeigen die zuletzt verfügbaren Strukturdaten für Juni 2026. Damals waren 46 Prozent der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten arbeitslos, 54 Prozent dagegen nicht. Unter den nicht arbeitslos Geführten waren etwa Teilnehmer an Fördermaßnahmen und Integrationskursen, vorübergehend Erkrankte sowie Menschen mit einer Beschäftigung von mindestens 15 Wochenstunden.
Unabhängig von ihrem Arbeitslosenstatus gingen im Juni rund 761.000 erwerbsfähige Leistungsberechtigte einer Erwerbstätigkeit nach. Sie machten ein Fünftel dieser Gruppe aus. Arbeit und Unterstützung vom Jobcenter schließen sich also nicht aus. Reicht das anrechenbare Erwerbseinkommen für den Bedarf nicht aus, können ergänzende Leistungen vom Jobcenter notwendig bleiben.
Bürgergeld trotz Job – Wenn die Arbeit nicht zum Leben reicht
Ein neuer Job beendet den Leistungsbezug nicht immer
Auch die BA-Zahlen zu Arbeitsaufnahmen zeigen diese Grenze. Von den Leistungsberechtigten, die im März 2026 eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen hatten, bezogen 57 Prozent innerhalb von drei Monaten keine SGB-II-Leistungen mehr. Auch innerhalb dieses Zeitraums führte eine Beschäftigungsaufnahme somit nicht bei allen aus dem Leistungsbezug.
Für Oktober lässt sich noch nicht entsprechend aufschlüsseln, wodurch Menschen den Leistungsbezug verlassen haben. Die aktuellen Bestandszahlen sind vorläufige Hochrechnungen. Die BA wartet bei der Grundsicherungsstatistik drei Monate ab, damit nachträgliche Bewilligungen und rückwirkende Aufhebungen berücksichtigt werden können. Ausführliche Angaben zu Zu- und Abgängen reichen im aktuellen Bericht erst bis Juni.
Im Juni 2026 hatten rund 2,549 Millionen erwerbsfähige Leistungsberechtigte in den vorherigen 24 Monaten mindestens 21 Monate Leistungen erhalten. Die BA zählt sie als Langzeitleistungsbezieher, unabhängig davon, ob sie arbeitslos sind. Ihre Zahl sank gegenüber dem Vorjahr um rund 43.000. Weil die Gesamtzahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten stärker zurückging, stieg ihr Anteil dennoch um einen Prozentpunkt auf mehr als zwei Drittel.