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Zu wenig Rente: 773.735 Rentner brauchen Grundsicherung im Alter

Für immer mehr Rentner reicht das Geld nicht zum Leben. Im Juni 2026 erhielten 773.735 Menschen Grundsicherung im Alter – so viele wie nie zuvor. Binnen eines Jahres kamen 24.070 hinzu. Mehr als jeder dritte Empfänger hat keinen deutschen Pass. Und die geburtenstarken Jahrgänge erreichen erst nach und nach das Rentenalter. Der neue Rekord dürfte deshalb nicht der letzte sein.

Fast 210.000 mehr als Ende 2020

Die Entwicklung ist längst kein kleiner Ausschlag in der Statistik. Im Juni 2025 waren 749.665 Rentner auf Grundsicherung im Alter angewiesen, ein Jahr später 773.735. Das ist ein Anstieg um 3,2 Prozent. Ende 2020 lag die Zahl noch bei 564.110. Innerhalb von fünfeinhalb Jahren sind damit 209.625 Menschen hinzugekommen – ein Plus von gut 37 Prozent. Der aktuelle Wert stammt aus der Statistik des Statistischen Bundesamtes für Juni 2026.

Grundsicherung im Alter ist dabei keine zusätzliche Rente, sondern Sozialhilfe für Menschen ab der gesetzlichen Altersgrenze. Sie springt ein, wenn Rente, andere Einkünfte und verwertbares Vermögen den notwendigen Lebensunterhalt nicht decken. In der Statistik stehen deshalb Menschen, die trotz eigener Mittel Hilfe brauchen, ebenso wie Menschen ohne ausreichende Rentenansprüche.

Immer mehr Ausländer brauchen die Leistung

Besonders schnell wächst die Zahl der Empfänger ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Im Juni 2026 erhielten 282.020 Ausländer Grundsicherung im Alter. Ein Jahr zuvor waren es 266.865. Das Plus beträgt 15.155 Personen oder 5,7 Prozent. Bei deutschen Empfängern stieg die Zahl im selben Zeitraum um 8.915 auf 491.715. Von allen 24.070 zusätzlichen Fällen entfielen damit knapp 63 Prozent auf Ausländer.

Ihr Anteil an allen Empfängern beträgt inzwischen 36,4 Prozent. Ende 2020 waren es 27 Prozent. Die amtliche Tabelle nach Staatsangehörigkeit zeigt also einen deutlichen Wandel über mehrere Jahre – nicht nur eine Momentaufnahme. Sie sagt allerdings nicht, wie lange einzelne Menschen bereits in Deutschland leben oder welche Rentenansprüche sie erworben haben.

Hinzu kommt der Krieg in der Ukraine. Seit Juni 2022 können hilfebedürftige Geflüchtete von dort unter den üblichen Voraussetzungen Grundsicherung nach dem SGB XII erhalten. Das Statistische Bundesamt nennt den Rechtskreiswechsel als wichtigen Grund für den Anstieg bei ausländischen Empfängern. Nach Angaben der Bundesregierung erhielten im März 2026 allein 106.905 Ukrainer Grundsicherung im Alter – fast vier von zehn ausländischen Leistungsempfängern.

Die Babyboomer kommen erst noch

Die Zahl wird weiter steigen, weil in den kommenden Jahren deutlich mehr Menschen das Rentenalter erreichen. Nach der Bevölkerungsvorausberechnung von Destatis wird die Zahl der Menschen im Rentenalter bis 2038 um mindestens 3,8 Millionen wachsen. Damit wächst auch die Gruppe, in der niedrige Renten und hohe Wohnkosten zur Grundsicherung führen können.

Wie viele der zusätzlichen Rentner tatsächlich Hilfe brauchen werden, lässt sich daraus nicht genau ableiten. Dafür sind die Höhe künftiger Renten, weitere Einkommen, Mieten und Vermögen entscheidend. Die demografische Richtung ist jedoch klar: Ein heute schon steigender Bedarf trifft auf immer mehr Menschen im Rentenalter.

Die Miete kann den Ausschlag geben

Der Rekord entsteht nicht allein durch niedrige Renten. Entscheidend ist auch, was für Wohnen und Heizen ausgegeben werden muss. Die Grundsicherung im Alter berücksichtigt neben dem Regelbedarf angemessene Kosten für Unterkunft und Heizung. Zwei Rentner mit derselben Rente können deshalb einen unterschiedlichen Anspruch haben. Weitere Einkünfte und verwertbares Vermögen fließen ebenfalls in die Prüfung ein.

Ein Anspruch wird jedoch nicht automatisch mit der Rentenzahlung festgestellt. Die Grundsicherung muss beantragt werden, in der Regel beim Sozialamt. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung beginnt die Leistung grundsätzlich mit dem ersten Tag des Monats, in dem der Antrag gestellt wird. Wer trotz dauerhaft knapper Mittel monatelang wartet, kann diese Monate später nicht einfach nachholen. Gerade bei steigenden Mieten sollte deshalb der gesamte Bedarf geprüft werden – nicht nur die Höhe der Rente.